Frau und Kind in Afghanistan

AFGHANISTAN

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Wir helfen seit:  1979

Mitarbeiter*innen:  932

Bevölkerung:  41,1 Mio.

Erreichte Menschen 2022:  1.291.830

Unterernährungsrate:   30,1 %

Afghanistan erlebt seit Jahren eine der schwersten humanitären Krisen der Welt – und ist nun, drei Jahre nach Abzug der Truppen und Machtübernahme der Taliban, trotzdem zu großen Teilen aus dem Bewusstsein der Weltbevölkerung verschwunden. 

Seit 45 Jahren hat der grausame Terror das Land fest im Griff. Mit der Machtübernahme 2021 ist der Bedarf an humanitärer Hilfe nun schlagartig angestiegen. Aktuell sind 60 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. 23,7 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen, berichtet das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten. Die Armutsrate im Land ist von 72 Prozent im Jahr 2021 auf 97 Prozent im Jahr 2022 gestiegen. Dieser Wert hält sich bis heute. Die unschuldige Zivilbevölkerung trägt die Hauptlast des anhaltenden Konfliktes. Frauen und Mädchen sind mit Abstand am stärksten betroffen. Ihre Rechte werden seit der Machtübernahme immer weiter eingeschränkt. 

Wie ist die Situation in Afghanistan?

Als Reaktion auf den Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 marschierten die USA und ihre Koalitionspartner im Oktober 2001 in Afghanistan ein, um die Macht der radikalislamistischen Taliban in dem Land am Hindukusch zu stürzen. Das Ziel der Besatzungskräfte: der Aufbau eines demokratischen Systems. 20 Jahre später, im Juli 2021, wurden die ausländischen Truppen aus dem Land abgezogen. Wie sich zeigen sollte, wurde das Ziel krachend verfehlt. Nur wenige Wochen nach dem Abzug der internationalen Truppen hatten die Taliban das gesamte Land unter ihre Kontrolle gebracht und riefen das Islamische Emirat Afghanistan aus.

Was das für die Erwachsenen und Kinder – vor allem die Frauen und Mädchen – in dem Land heißt, zeigt sich nun nach und nach. Sicher ist, dass die in den vergangenen Jahren erkämpften Rechte für Frauen und Mädchen massiv eingeschränkt wurden. Vergeltungsmorde an Menschen, die mit den westlichen Alliierten zusammengearbeitet haben oder aus Sicht der Taliban islamfeindlich agieren, wurden in vielen Provinzen dokumentiert. Tausende Menschen fürchten um ihre Sicherheit. Gleichzeitig führen die internationalen Sanktionen zu enormen Problemen, die die afghanische Bevölkerung direkt zu spüren bekommt. Importprozesse sind so kompliziert, dass es an Medikamenten und Ausrüstung mangelt. Die hohe Arbeitslosigkeit führt in Kombination mit enormen Preissteigerungen und Inflation dazu, dass sich Familien kaum noch Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs leisten können. Das ist auch den Folgen des Klimawandels geschuldet, denn die schwere Dürre der vergangenen Jahre hat die Landwirtschaft so gut wie unmöglich gemacht. Viele Lebensmittel mussten und müssen deshalb aus den Nachbarländern importiert werden. Gleichzeitig wird es vor allem in den bergigen Regionen im Winter oft bitterkalt. 

Was sind die zentralen humanitären Herausforderungen in Afghanistan?

Die Zukunft der Zivilbevölkerung im Land ist ungewiss. 698.000 Menschen mussten ihre Heimat in 2021 verlassen. Armut und Hunger sind unter der Bevölkerung weit verbreitet. Im Mai 2024 waren rund 14,2 Millionen Menschen der IPC-Phase 3 oder höher zuzuordnen, das heißt, sie sind akut von Ernährungsunsicherheit bedroht. Die Zahl der Menschen, die auf humanitäre Hilfe zum Überleben angewiesen sind, steigt weiter an. Aktion gegen den Hunger ist in den Provinzen Ghor, Helmand, Daykundi, Badakhshan und Kabul tätig. In vielen Teilen der Provinzen leben Menschen in abgeschiedenen Dörfern, die nur schwer zu erreichen sind.

Afghanistan hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten weltweit und Tausende Frauen sterben jedes Jahr an Schwangerschaftskomplikationen, die größtenteils vermeidbar sind. Mehr als 40 Prozent der Kinder unter 5 Jahren leiden unter dauerhaften Schäden aufgrund von Mangelernährung.  

Hilfe zu leisten, wird durch die Sicherheitslage erschwert: Für humanitäre Helfende ist Afghanistan eines der gefährlichsten Länder. Im Dezember 2022 wurde den Organisationen im Land die Arbeit erneut enorm erschwert: Mit sofortiger Wirkung hatten die Taliban angeordnet, dass Frauen nicht mehr für humanitäre Hilfsorganisationen arbeiten dürfen. Aktion gegen den Hunger hat das hart getroffen: 400 unserer 1.000 Mitarbeitenden im Land sind Frauen, die ihre lebenswichtige Arbeit vorübergehend nicht mehr ausführen durften. Unsere Mitarbeiterinnen sind elementar für unsere Arbeit, denn sie sind die erste Anlaufstelle, insbesondere für Kinder, schwangere Frauen und Mütter. Knapp einen Monat nach dem Verbort der Taliban konnten wir unsere vorübergehend eingeschränkte Arbeit vor Ort dank einer Ausnahmeregelung schrittweise wieder beginnen. Mittlerweile wird sie weitestgehend vollständig fortgesetzt. 

Wir werden weiterhin alles daran setzen, unseren Mitarbeiterinnen die Arbeit zu ermöglichen und so den Bedarf an humanitärer Hilfe im Land zu decken. Denn dieser steigt rapide aktuell sind etwa 23,7 Millionen von 41 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe zum Überleben angewiesen. 6 Millionen Menschen stehen am Rande einer Hungersnot und Millionen Kinder sind stark mangelernährt und von Krankheiten bedroht. Deshalb werden wir so lange in Afghanistan bleiben, wie die Erwachsenen und Kinder Unterstützung benötigen und es die Sicherheitslage zulässt. 

Wie hilft Aktion gegen den Hunger in Afghanistan?

Seit 1979 ist Aktion gegen den Hunger in Afghanistan tätig. Wir setzen alles daran, unsere Hilfe auch zukünftig in vollem Umfang umzusetzen. Wir behandeln akut mangelernährte Kinder, unterstützen Gesundheitszentren in Flüchtlingslagern und kümmern uns um Wasserversorgung und Ernährungssicherung:

  • Unsere Teams unterstützen Gemeinden und Gesundheitszentren, um der hohen Mütter- und Kindersterblichkeitsrate entgegenzuwirken.
  • Wir diagnostizieren und behandeln akute Mangelernährung bei Kindern und betreuen Schwangere und stillende Mütter. Dazu betreiben wir zusammen mit Partnern Ernährungsstationen (sogenannte TFUs, therapeutic feeding units).
  • Mit 4 frauenfreundlichen Orten in Ghor und Helmand unterstützen wir Mädchen und Frauen spezialisiert medizinisch und psychosozial. 
  • Wir bringen mit mobilen Kliniken medizinische Versorgung auch zu Menschen in abgelegenen Regionen. Weitere sind bereits geplant.
  • Wir verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung, um dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen.
  • Wir stärken maßgeblich die Lebensgrundlagen der Menschen durch Nahrungsmittelsicherungsprogramme.
  • Wir verteilen Bargeldhilfen, damit sich Familien damit selbst ernähren können und gleichzeitig die Märkte vor Ort gestärkt werden.
  • Wir helfen traumatisierten Menschen durch psychosoziale Betreuung, etwa mithilfe einer telefonischen Beratung.
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